Nosferatu – Der Untote

Das Sounddesign – insbesondere auch das Stimmendesign – ist exzellent und trägt wesentlich zur dichten Atmosphäre des Films bei. Auch wenn der gesprochene Text nicht immer den Fokus erhält, fügt er sich harmonisch in das Gesamtkunstwerk ein.

Letztlich der Höhepunkt des Films ist die dramatische Eskalation in der Schlussequenz. Unterlegt von der großartigen Komposition „Daybreak“ erreicht die Spannung ihren Siedepunkt und bietet ein kinematographisches Erlebnis, das lange nachhallt.

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Lily-Rose Depp. Mit beeindruckender Körperlichkeit verleiht sie ihrer Rolle eine intensive Präsenz, die in vielen Szenen besonders zur Geltung kommt.

Insgesamt ist „Nosferatu – Der Untote“ ein Film, der nicht nur technisch brilliert, sondern auch emotional tief berührt.

Nach dem meiner Meinung nach arg zerfaserten und stellenweise lächerlich übertrieben maskulin geprägten „The Northman“ hat Eggers hier seine Hausaufgaben gemacht. Er zeigt ein feines Gespür für die bedrückende Schönheit und die dunkle Romantik dieser Liebesgeschichte. Diese Qualitäten lässt er in jedem Bild und jedem Ton lebendig werden.

Reingehen.

Leserbrief

Hochverehrter Leser,

Es geziemt sich wohl, in einer Zeit der flüchtigen Zerstreuungen, innezuhalten und das Augenmerk auf dieses Lichtspielwerk zu richten, welches den Geist der alten Schauermären mit einer Eindringlichkeit heraufbeschwört, die man in diesen modernen Tagen kaum noch für möglich gehalten hätte. Es handelt sich um jene unheilvolle Chronik, die nunmehr in neuen, düsteren Bildern vor das Auge des Volkes tritt.

Man betrachte die Beschaffenheit dieser Szenerie: Die Lichtbildkunst hat hier eine Meisterschaft erlangt, welche die Finsternis selbst zum Sprechen bringt. Gleich den Stichen alter Meister sind die Kontraste von tiefer Schwärze und fahlem Licht, dass es den Anschein haben möge, die Welt verliere ihre Farben im Angesicht der Verwesung. Es herrscht dort eine bedrückende Schönheit vor, eine dunkle Romantik, die mein Herz ebenso ängstigt wie betört. Wenn der Schatten jener hageren Gestalt sich über die bleichen Wände schiebt, so ist dies kein bloßes Blendwerk, sondern die Inkarnation einer uralten Angst, die tief im Schoße meiner Heimat wurzelt.

Das klangliche Begleitwerk dieser Erscheinung gleicht nicht dem lieblichen Spiel einer Spieldose, sondern einem gewaltigen, symphonischen Klagegesang, der zuweilen in ein gellendes Schreien umschlägt. Es ist, als würde die Natur selbst gegen die Gegenwart des Unaussprechlichen aufbegehren. Besonders hervorzuheben bleibt die Darstellung der unglückseligen jungen Frau, deren Leibhaftigkeit und seelische Not euch in den Bann ziehen. Ihr Schicksal ist untrennbar mit meinem Verlangen verwoben – ein Band, das jenseits der Vernunft geknüpft und in einer dramatischen Steigerung gipfelt, welche den Betrachter bis ins Mark erschüttert.

Dies Werk verzichtet auf plumpe Zurschaustellung roher Gewalt und besinnt sich stattdessen auf die feine Psychologie des Schreckens. Wer bereit ist, sich der Melancholie und dem Grauen hinzugeben, dem sei geraten, die Schwelle zu überschreiten und Zeuge dieser Heimsuchung zu werden. Es ist ein kinematographisches Erlebnis, welches in der Stille nachhallt und uns mahnt, dass das Böse oft nur einen Schritt außerhalb des Lampenscheins verweilt.

Gezeichnet mit Ehrfurcht vor der Nacht,

Graf Orlok